Erste Wörter lernen – so wächst der Wortschatz von Kleinkindern
Von Anja und David Adam, Eltern von zwei Kindern · Stand Oktober 2026
Auf einen Blick
- Die ersten Wörter sprechen viele Kinder um den ersten Geburtstag, verstanden wird schon viel früher.
- Mit etwa zwei Jahren sprechen viele Kinder rund 50 Wörter und bilden erste Zweiwortsätze. Die Spanne ist groß.
- Kinder lernen Wörter im Gespräch. Zeigen, benennen und nachfragen wirkt stärker als reines Vorlesen.
- Bei Sorgen um die Sprachentwicklung ist die Kinderärztin die erste Adresse, etwa bei der U7.
Wie Kleinkinder Wörter lernen
Kinder verstehen Wörter lange, bevor sie sie sprechen. Um den ersten Geburtstag kommen bei vielen die ersten Wörter, oft für Menschen, Tiere und Dinge aus dem Alltag. Danach wächst der Wortschatz zunächst langsam und dann sprunghaft. Mit etwa zwei Jahren sprechen viele Kinder rund 50 Wörter und verbinden zwei Wörter zu kleinen Sätzen wie „Ball weg“. Diese Zahlen sind Richtwerte, gesunde Kinder unterscheiden sich stark.
Was im Alltag hilft
- Benennen Sie, was Ihr Kind gerade ansieht, kurz und deutlich, etwa „Das ist ein Hund.“
- Wiederholen Sie Wörter in verschiedenen Situationen, beim Spazieren, im Bilderbuch, beim Essen.
- Sagen Sie den Artikel mit, also „der Affe“ statt nur „Affe“. Kleine Kinder nutzen solche Begleitwörter, um ein gemeintes Wort schneller zu finden (Kedar u. a. 2006).
- Verbessern Sie nicht, sondern wiederholen Sie richtig. Sagt Ihr Kind „Wauwau weg“, antworten Sie „Ja, der Hund ist weggelaufen.“
- Lassen Sie Pausen. Kinder brauchen Zeit, um zu antworten.
Bilderbücher dialogisch anschauen
Beim dialogischen Lesen stellen Erwachsene Fragen, lassen das Kind benennen und erweitern seine Antworten. Eine Übersichtsarbeit fand, dass so der aktive Wortschatz kleiner Kinder stärker wächst als beim reinen Vorlesen (Mol u. a. 2008). Einfache Fragen wie „Was ist das?“, „Wo ist der Ball?“ oder „Was macht die Katze?“ genügen.
Alltagswörter zuerst
Am schnellsten lernen Kinder Wörter, die sie täglich hören und sehen. Tiere, Essen, Kleidung, Spielzeug und Fahrzeuge sind ein guter Anfang. Seltene Wörter haben später Zeit.
Wann zur Kinderärztin?
Spricht Ihr Kind mit zwei Jahren deutlich weniger als 50 Wörter, bildet es noch keine Zweiwortsätze oder versteht es einfache Aufforderungen nicht, sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin. Die Vorsorgeuntersuchung U7 um den zweiten Geburtstag ist dafür ein guter Anlass. Viele Kinder holen ihren Rückstand von selbst auf, eine frühe Abklärung schafft Sicherheit.
Und Apps?
Gespräche, Bücher und gemeinsames Spielen sind für die Sprache durch nichts zu ersetzen. Eine gut gemachte App kann ergänzen, wenn Sie sie gemeinsam nutzen und darüber sprechen. Wie viel Bildschirmzeit Fachleute empfehlen, steht im Ratgeber Bildschirmzeit für Kleinkinder.
Häufige Fragen
Wie viele Wörter spricht ein Kind mit zwei Jahren?
Viele Kinder sprechen mit zwei Jahren rund 50 Wörter und bilden erste Zweiwortsätze. Die Spanne ist groß. Bei Sorgen hilft ein Gespräch mit der Kinderärztin, etwa bei der U7.
Wie fördere ich den Wortschatz meines Kleinkindes?
Benennen Sie Dinge im Alltag, wiederholen Sie Wörter, sagen Sie den Artikel mit und schauen Sie Bilderbücher dialogisch an, also mit Fragen wie „Was ist das?“.
Soll ich falsch gesprochene Wörter korrigieren?
Besser nicht direkt. Wiederholen Sie das Wort richtig in Ihrer Antwort. So hört Ihr Kind die richtige Form, ohne dass das Gespräch stockt.
Quellen
- BZgA: Sprechen lernen (Elterninformation, PDF). www.kinderaerzte-im-netz.de
- DocCheck: Sprachentwicklung – Fishing for Late Talkers. www.doccheck.com
- Mol, S. E. u. a. (2008): Added Value of Dialogic Parent–Child Book Readings. doi.org
- Kedar, Y., Casasola, M. und Lust, B. (2006): Getting there faster. Child Development 77 (2). doi.org