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Montessori-App – was Montessori digital bedeuten kann und was nicht

Von Anja und David Adam, Eltern von zwei Kindern · Stand Oktober 2026

Auf einen Blick

  • „Montessori“ ist kein geschütztes Gütesiegel für Apps. Entscheidend ist, welche Prinzipien eine App wirklich umsetzt.
  • Gut übertragbar sind die Drei-Stufen-Lektion, das Lautieren und das selbstbestimmte Entdecken.
  • Montessori-Pädagogik lebt vom Anfassen echter Materialien. Eine App kann sie ergänzen, nicht ersetzen.

Was Montessori ausmacht

Maria Montessori entwickelte ihre Pädagogik Anfang des 20. Jahrhunderts. Kinder lernen in einer vorbereiteten Umgebung, wählen ihre Arbeit selbst, wiederholen sie so oft sie wollen und erkennen Fehler am Material selbst. Für die Sprache nutzt Montessori Sandpapierbuchstaben, das Lautieren und die Drei-Stufen-Lektion.

Die Drei-Stufen-Lektion

  1. Zeigen und benennen, etwa „Das ist der Affe.“
  2. Wiedererkennen, etwa „Wo ist der Affe?“ Das Kind zeigt auf das richtige Bild. Diese Stufe dauert am längsten.
  3. Selbst benennen, etwa „Was ist das?“ Das Kind spricht das Wort selbst aus.

Ein Fehler führt nicht zu einem „Nein“, sondern zurück zur vorigen Stufe. So bleibt das Kind sicher und neugierig.

Was sich gut in eine App übertragen lässt

  • Die Drei-Stufen-Lektion als Folge aus Anschauen, Suchen und Sprechen.
  • Lautieren statt Buchstabennamen, also „mmm“ statt „Em“.
  • Selbstbestimmtes Entdecken ohne Zeitdruck, ohne Punkte und ohne Fehlerton.
  • Fehlerkontrolle durch die Sache selbst, etwa wenn ein falsch angetipptes Ding einfach seinen eigenen Namen sagt.
  • Ruhige, klare Gestaltung statt Reizüberflutung.

Wo die Grenzen liegen

Montessori-Material wird angefasst, gefühlt und bewegt. Die Association Montessori Internationale rät von Bildschirmen für Kinder unter sechs Jahren ab und die guten Ergebnisse der Montessori-Forschung stammen aus echten Klassenzimmern (Lillard und Else-Quest 2006). Ehrlich ist deshalb die Formulierung „nach Montessori-Prinzipien“. Eine App ergänzt Material, Vorlesen und Gespräch, sie ersetzt sie nicht.

Woran Sie eine gute Montessori-App erkennen

  • Sie erklärt, welche Prinzipien sie umsetzt, statt nur das Wort „Montessori“ zu nutzen.
  • Sie kommt ohne Münzen, Sterne und Belohnungsschleifen aus.
  • Sie lautiert sauber auf Deutsch.
  • Sie lässt das Kind wählen und wiederholen.
  • Sie zeigt keine Werbung und erhebt keine Daten.

Montessori zu Hause, ganz ohne Bildschirm

Legen Sie drei Gegenstände auf einen Tisch, etwa einen Apfel, einen Löffel und ein Auto. Benennen Sie jeden („Das ist der Apfel.“), lassen Sie Ihr Kind dann zeigen („Gib mir den Löffel.“) und fragen Sie zuletzt „Was ist das?“. Mehr dazu im Ratgeber Buchstaben lernen mit Kleinkindern.

Häufige Fragen

Gibt es eine echte Montessori-App?

„Montessori“ ist für Apps kein geschütztes Siegel. Es gibt Apps, die einzelne Montessori-Prinzipien wie die Drei-Stufen-Lektion oder das Lautieren umsetzen. Wichtig ist, dass der Anbieter erklärt, welche das sind.

Was ist die Drei-Stufen-Lektion?

Eine Lehrmethode von Maria Montessori in drei Schritten. Erst zeigen und benennen („Das ist der Affe.“), dann wiedererkennen („Wo ist der Affe?“), dann selbst benennen („Was ist das?“).

Passen Bildschirme zu Montessori?

Montessori-Pädagogik setzt auf echte Materialien und rät für Kinder unter sechs Jahren zur Zurückhaltung bei Bildschirmen. Eine ruhige App nach Montessori-Prinzipien kann gemeinsame, kurze Lernmomente ergänzen.

Quellen